Eine aktuelle Studie aus Thailand zeigt: Fast jede vierte Person mit Parkinson erfüllte die Kriterien für ein Restless-Legs-Syndrom (RLS). Gleichzeitig waren 95,8 % der Fälle zuvor nicht diagnostiziert.
Das Restless-Legs-Syndrom verursacht einen starken Bewegungsdrang der Beine, häufig verbunden mit Kribbeln, Ziehen oder einem unangenehmen Gefühl. Typisch ist, dass die Beschwerden in Ruhe beginnen oder zunehmen, abends und nachts stärker werden und sich durch Bewegung vorübergehend bessern.
Die im Fachjournal Sleep Medicine veröffentlichte Studie untersuchte 250 Menschen mit Parkinson in einer spezialisierten Ambulanz in Bangkok. Bei 23,2 % wurde ein RLS festgestellt. Die Beschwerden bestanden bei diesen Personen im Durchschnitt bereits 5,83 Jahre, bevor das RLS erkannt wurde. Zudem hatten Betroffene häufiger Schlafprobleme und nahmen höhere Dosen dopaminerger Medikamente ein.
Warum wird RLS bei Parkinson häufig übersehen?
Viele Beschwerden des RLS können anderen Parkinson-Symptomen ähneln – beispielsweise einem Wearing-off, einer Dystonie, Dyskinesien oder einer Akathisie. Deshalb wird die abendliche oder nächtliche Unruhe der Beine häufig der Parkinson-Krankheit oder der Wirkung der Medikamente zugeschrieben.
Ein wichtiger Hinweis auf RLS ist der unwiderstehliche Drang, die Beine zu bewegen, wobei Aufstehen und Gehen die Beschwerden rasch lindern.
Gut zu wissen
Ein RLS ist nicht dasselbe wie Parkinson, kann aber gleichzeitig auftreten und gezielt behandelt werden. Bei entsprechenden Beschwerden sollte insbesondere der Eisenhaushalt überprüft werden. Auch Medikamente können die Beschwerden beeinflussen. Eine Veränderung der Parkinson-Medikation sollte jedoch nicht selbstständig, sondern gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen.
Quelle: Parkinson Journal, «Unruhige Beine, unruhige Nächte: Das übersehene Restless-Legs-Syndrom bei Parkinson», 24.09.2026. Der Beitrag basiert unter anderem auf einer Studie aus Sleep Medicine (2026).
Hopledo: Neue Levodopa-Kapsel ab Oktober in Deutschland
Mit Hopledo® steht in Deutschland ab Oktober 2026 eine neue orale Formulierung von Levodopa/Carbidopa zur Verfügung. Sie soll bei Parkinson mit motorischen Fluktuationen für eine längere «Good-ON»-Zeit bei weniger Einnahmen sorgen.
Hopledo® ist eine neue Hartkapsel mit Levodopa und Carbidopa, die sofort und verzögert freisetzende Wirkstoffanteile kombiniert. Dadurch soll Levodopa zunächst rasch wirken und anschliessend länger verfügbar bleiben. Das Ziel ist eine stabilere Symptomkontrolle und weniger «Off»-Phasen.
Das Präparat ist für Erwachsene mit Parkinson und moderaten bis schweren motorischen Fluktuationen vorgesehen, wenn die bisherige orale Behandlung mit Levodopa und einem Dopa-Decarboxylase-Hemmer keine ausreichende Kontrolle mehr ermöglicht. Die Zulassung basiert unter anderem auf der Phase-III-Studie RISE-PD. Dort zeigte Hopledo gegenüber einer sofort freisetzenden Levodopa/Carbidopa-Formulierung mehr «Good-ON»-Zeit bei weniger täglichen Einnahmen.
Die Europäische Kommission erteilte die Zulassung am 20. August 2026. Der Hersteller Zambon plant die schrittweise Markteinführung in Europa ab Oktober 2026. In Deutschland ist Hopledo damit aktuell neu verfügbar. In den USA ist die gleiche Wirkstoffformulierung bereits unter dem Namen Crexont® im Einsatz.
Gut zu wissen
Hopledo enthält keinen neuen Wirkstoff. Es handelt sich um eine weiterentwickelte Darreichungsform von Levodopa/Carbidopa mit modifizierter Wirkstofffreisetzung. Eine Umstellung sollte individuell ärztlich erfolgen. Für die Schweiz ist die Verfügbarkeit separat zu prüfen.
Quelle: Parkinson Journal, «Hopledo – Levodopa», 30.09.2026.
Adaptive Hirnstimulation: Wenn die Tiefenhirnstimulation mitdenkt
Die adaptive tiefe Hirnstimulation (aDBS) passt die elektrische Stimulation laufend an die aktuelle Gehirnaktivität an. Neue Studien zeigen vielversprechende Ansätze – insbesondere bei Gangstörungen. Für eine abschliessende Beurteilung ist die Datenlage jedoch noch zu begrenzt.
Bei der klassischen tiefen Hirnstimulation (DBS) werden bestimmte Hirnregionen kontinuierlich mit elektrischen Impulsen stimuliert. Die Stimulationsparameter werden individuell eingestellt, bleiben im Alltag jedoch weitgehend konstant. Die adaptive DBS verfolgt einen anderen Ansatz: Der Neurostimulator erfasst charakteristische Signale der Hirnaktivität und passt die Stimulation in Echtzeit an den aktuellen Zustand der betroffenen Person an.
Damit soll die Behandlung stärker auf die wechselnden motorischen Anforderungen und Schwankungen bei Parkinson abgestimmt werden. Erste Untersuchungen zeigen, dass eine solche bedarfsgesteuerte Stimulation motorische Symptome verbessern und gleichzeitig unnötige Stimulation reduzieren kann.
Besonders interessant sind aktuelle Forschungsergebnisse zur **Gangfunktion**. Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte eine adaptive Stimulation, die sich an der jeweiligen Gangphase orientiert. Bei fünf untersuchten Personen mit Parkinson erwies sich das Verfahren als durchführbar und sicher; gleichzeitig wurden weniger Stürze beobachtet als unter kontinuierlicher Stimulation. Eine weitere Studie zeigte, dass aktivitätsabhängige Anpassungen der DBS verschiedene Gangprobleme verbessern können.
Was bedeutet das für Betroffene?
Die adaptive DBS ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in Richtung einer stärker personalisierten Hirnstimulation. Sie könnte künftig insbesondere bei motorischen Schwankungen und bestimmten Gangproblemen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Noch ist jedoch offen, ob adaptive DBS der konventionellen DBS im Alltag tatsächlich überlegen ist.** Eine aktuelle Metaanalyse randomisierter Studien konnte bislang keinen eindeutig klinisch relevanten kurzfristigen motorischen Vorteil nachweisen. Grössere Studien mit längerer Beobachtungszeit sind deshalb notwendig.
Gut zu wissen
Adaptive DBS ist nicht einfach eine „bessere DBS“.** Das Verfahren befindet sich in einer Phase des Übergangs von der Forschung zur klinischen Anwendung. Welche Patientinnen und Patienten besonders profitieren, welche Symptome sich am besten behandeln lassen und wie die Systeme langfristig programmiert werden sollten, wird derzeit weiter untersucht.
Für Menschen mit Parkinson bedeutet dies:Die Entwicklung ist vielversprechend, aber die Wahl einer DBS-Therapie sollte weiterhin individuell und gemeinsam mit einem spezialisierten Behandlungsteam erfolgen.
Quelle: Parkinson Journal, <<Adaptive Hirnstimulation: der mitdenkende Schrittmacher auf dem Prüfstand>>, 18. September 2026
Schlaf und Parkinson: Schlafstörungen früh erkennen
Lead
Schlafstörungen sind bei Parkinson häufig und können die Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Tagesaktivität beeinträchtigen. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass Schlaf und neurodegenerative Erkrankungen in einer wechselseitigen Beziehung stehen. Deshalb sollten Schlafprobleme frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden.
Schlaf ist mehr als Erholung
Menschen mit Parkinson können unter Ein- und Durchschlafstörungen, ausgeprägter Tagesmüdigkeit, nächtlichem Harndrang oder einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus leiden. Eine besondere Bedeutung hat die REM-Schlafverhaltensstörung. Dabei werden Träume körperlich ausgelebt, beispielsweise durch Sprechen, Rufen oder Bewegungen. Eine isolierte REM-Schlafverhaltensstörung kann bereits Jahre vor typischen Parkinson-Symptomen auftreten und gilt als wichtiger Hinweis auf eine mögliche spätere Entwicklung einer Synukleinopathie.
Auch eine Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom können den Schlaf beeinträchtigen und sollten bei entsprechenden Beschwerden abgeklärt werden.
Schlafprobleme aktiv ansprechen
Die Forschung untersucht zunehmend, wie Schlafqualität, zirkadianer Rhythmus und neurodegenerative Prozesse zusammenhängen. Dabei wird unter anderem diskutiert, welche Rolle der Schlaf bei der nächtlichen Beseitigung bestimmter Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn spielt. Ein direkter Einfluss von Schlafstörungen auf den individuellen Krankheitsverlauf ist jedoch noch nicht abschliessend geklärt.
Umso wichtiger ist es, Schlafprobleme nicht einfach als unvermeidbaren Bestandteil von Parkinson hinzunehmen. Eine gezielte Abklärung kann behandelbare Ursachen erkennen und die Schlafqualität verbessern.
Gut zu wissen
Schlafprobleme sollten bei Parkinson aktiv angesprochen werden. Achten Sie insbesondere auf häufiges Aufwachen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, lautes Schnarchen mit Atempausen oder das körperliche Ausleben von Träumen. Besprechen Sie solche Veränderungen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer Parkinson-Fachperson.
Quelle: Parkinson Journal, «Neurodegenerative Erkrankungen und Schlafstörungen: Die wechselseitige Beziehung», 13. August 2026.
Blasenprobleme bei Parkinson: frühzeitig erkennen und gezielt behandeln
Blasenbeschwerden gehören zu den häufigen nicht-motorischen Symptomen der Parkinson-Erkrankung. Besonders häufig sind Harndrang, häufiges Wasserlassen und nächtlicher Harndrang (Nykturie). Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und – insbesondere bei eingeschränkter Mobilität – das Sturzrisiko erhöhen.
Eine aktuelle internationale Konsensempfehlung unterstreicht die Bedeutung einer systematischen Abklärung. Denn nicht jede Blasenstörung ist direkt auf Parkinson zurückzuführen. Harnwegsinfekte, Prostatabeschwerden, Medikamente oder andere Erkrankungen können ebenfalls Ursachen sein. Deshalb sollten Beschwerden wie plötzlicher Harndrang, ungewollter Urinverlust oder das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung ärztlich abgeklärt werden.
Nicht-medikamentöse Behandlung zuerst
Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine Verhaltenstherapie mit Beckenbodentraining und Strategien zur Kontrolle des Harndrangs die Beschwerden bei Menschen mit Parkinson deutlich verbessern kann. Die Wirkung war in der Untersuchung vergleichbar mit dem Medikament Solifenacin, während unter der medikamentösen Behandlung häufiger Nebenwirkungen auftraten.
Je nach Situation können regelmässige Toilettenzeiten, ein angepasstes Trinkverhalten, Beckenbodentraining und ein Miktionsprotokoll hilfreich sein. Auch die Parkinson-Therapie sollte berücksichtigt werden: Verstärken sich die Blasenbeschwerden während einer Off-Phase, kann eine Optimierung der Parkinson-Medikation sinnvoll sein.
Blasenprobleme aktiv ansprechen
Betroffene sollten Blasenbeschwerden nicht aus Scham verschweigen. Eine frühzeitige Abklärung und individuell angepasste Behandlung können dazu beitragen, Selbstständigkeit, Schlaf und Lebensqualität zu erhalten.
Wichtig: Bei Parkinson lohnt es sich, nicht nur nach Inkontinenz zu fragen, sondern gezielt nach Harndrang, nächtlichem Wasserlassen, Toilettengängen und möglichen Off-Phasen.
Quelle: Parkinson Journal, „Wenn die Blase drängt: Harnprobleme bei der Parkinson-Krankheit“, 18. September 2026.
SOZO Brain: Hoffnung oder Hype?
Der Artikel beschreibt SOZO Brain als ein Konzept der nicht-invasiven Neuromodulation, das vier Verfahren kombiniert: Transkranielle Pulsstimulation (TPS), transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), transkutane Vagusnervstimulation (taVNS) und craniale Elektrostimulation (CES). Ziel ist es, die Hirnaktivität und Neuroplastizität bei Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu fördern.
Die Autoren betonen, dass die einzelnen Verfahren wissenschaftlich untersucht wurden und neurophysiologisch plausibel sind. Allerdings existieren bislang keine veröffentlichten klinischen Studien, die die Wirksamkeit des gesamten SOZO-Programms belegen. Die derzeitige Evidenz bezieht sich überwiegend auf die einzelnen Bestandteile, wobei insbesondere TPS als vielversprechend gilt, während für die übrigen Verfahren die Datenlage begrenzt oder uneinheitlich ist.
Kritisch bewertet wird die Vermarktung anhand spektakulärer Einzelfallberichte, da solche Berichte keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise darstellen. Der Artikel kommt deshalb zu dem Schluss, dass SOZO Brain weder als Wundermittel noch als unseriöse Methode angesehen werden sollte. Vielmehr handelt es sich um einen interessanten, aber bislang nicht ausreichend belegten Therapieansatz, der – wenn überhaupt – nur ergänzend zu etablierten Parkinson-Behandlungen eingesetzt werden sollte.
Quelle: Parkinson Journal – SOZO Brain: Hoffnung oder Hype?. Die Zusammenfassung basiert auf den Angaben des Parkinson Journal und spiegelt die dort dargestellte Bewertung der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz wider.
L-Dopa und Ernährung: Warum der richtige Einnahmezeitpunkt bei Parkinson entscheidend ist
Menschen mit Parkinson, die L-Dopa einnehmen, sollten ihre Mahlzeiten sorgfältig planen. Darauf weist das Parkinson Journal in einem aktuellen Beitrag hin. Der Grund: Eiweissreiche Lebensmittel können die Wirkung des Medikaments deutlich abschwächen.
L-Dopa gilt als wichtigste Therapie bei Parkinson. Im Gehirn wird der Wirkstoff zu Dopamin umgewandelt, das bei Parkinson-Patienten fehlt. Dadurch lassen sich Bewegungsstörungen wie Zittern oder Steifheit lindern. Allerdings konkurriert L-Dopa im Darm und an der Blut-Hirn-Schranke mit Aminosäuren aus eiweissreicher Nahrung. Dadurch gelangt weniger Wirkstoff ins Gehirn.
Experten empfehlen deshalb, L-Dopa möglichst nüchtern einzunehmen – etwa 30 Minuten vor oder 60 bis 90 Minuten nach dem Essen. Besonders problematisch können Milchprodukte, Fleisch oder eiweissreiche Snacks direkt zur Medikamenteneinnahme sein. Selbst ein Joghurt kann die Wirkung spürbar beeinträchtigen.
Viele Betroffene erleben sogenannte Wirkungsfluktuationen. Ursache sind schwankende Dopaminspiegel im Gehirn. Um diese Schwankungen zu reduzieren, teilen manche Patienten ihre Tagesdosis auf mehrere kleinere Einnahmen auf. Die genaue Dosierung müsse jedoch individuell gemeinsam mit dem Neurologen abgestimmt werden.
Neben der richtigen Einnahme spielt auch die Verdauung eine wichtige Rolle. Verzögerte Magenentleerung oder Verstopfung können dazu führen, dass L-Dopa langsamer aufgenommen wird. Fachleute raten daher zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreicher Ernährung und mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt.
Das Parkinson Journal betont zudem, dass Patienten nicht grundsätzlich auf Eiweiss verzichten sollten. Eiweiss bleibt ein lebenswichtiger Nährstoff. Stattdessen könne es sinnvoll sein, grössere eiweissreiche Mahlzeiten eher auf den Abend zu legen.
Neue ARTE-Doku zeigt Chancen und Grenzen der Hirnstimulation
Die 53-Minuten-Dokumentation „Gehirn unter Strom – Hilfe bei Depression, Epilepsie und Parkinson?“ beleuchtet aktuelle Entwicklungen in der medizinischen Hirnstimulation. Im Fokus stehen neurotechnologische Therapien, bei denen elektrische Impulse im Gehirn zur Linderung schwerer neurologischer Erkrankungen eingesetzt werden. Gezeigt wird unter anderem, wie bei Parkinson-Patient Christian Lorek Implantate tief im Gehirn sitzen, um das charakteristische Zittern zu reduzieren. Auch Epilepsie-Patienten und Menschen mit therapieresistenten Depressionen werden begleitet, zuletzt mit vielversprechenden Ergebnissen in klinischen Studien.
Die Filmemacher geben zudem Einblicke in die Grundlagenforschung: Teams in Deutschland, Frankreich und England arbeiten an besseren Implantaten und einem tieferen Verständnis der neuronalen Mechanismen. Gleichzeitig thematisiert die Doku auch Risiken und offene Fragen dieser High-Tech-Ansätze.
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Menschen mit Parkinson profitieren von anpassungsfähiger tiefer Hirnstimulation
Neue Hoffnung bei Parkinson: adaptive tiefe Hirnstimulation
Eine Arbeitsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin präsentierte auf dem Kongress der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) einen vielversprechenden Ansatz für Betroffene mit Morbus Parkinson. Dabei geht es um die sogenannte adaptive tiefe Hirnstimulation (aTHS). Anders als bei der herkömmlichen kontinuierlichen Stimulation passt dieses System die elektrische Stimulation individuell und bedarfsabhängig an — je nach aktueller Hirnaktivität.
In einer aktuellen Studie mit acht Patient:innen, die von konventioneller auf adaptive THS umgestellt wurden, zeigte sich: Das subjektive Wohlbefinden verbesserte sich signifikant im Vergleich zur klassischen Stimulation. Einige der Betroffenen berichteten zudem von besserer Beweglichkeit. Sechs der acht Teilnehmer entschieden sich danach, dauerhaft bei der adaptiven Stimulation zu bleiben.
Damit könnte adaptive THS künftig eine besonders gute Option sein — vor allem für Menschen mit Parkinson, bei denen die klassische Behandlung mit kontinuierlicher Stimulation nicht ausreicht oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Die Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch sind weitere größere Studien nötig, um Sicherheit und Wirksamkeit langfristig zu prüfen.
Pro & Contra zur adaptiven tiefen Hirnstimulation (aTHS):
Pro (Vorteile)
1. Verbesserte Symptomkontrolle
Die Stimulation passt sich in Echtzeit an die aktuelle Hirnaktivität an. Dadurch kann sie gezielter wirken als die kontinuierliche THS.
2. Weniger Nebenwirkungen
Weil nur nach Bedarf stimuliert wird, kann Überstimulation reduziert werden – das senkt das Risiko von Dyskinesien oder Müdigkeit.
3. Besseres subjektives Wohlbefinden
In der Charité-Studie berichteten die meisten Patient:innen von einer klaren Verbesserung ihres allgemeinen Befindens.
4. Höhere Energieeffizienz
Da die Impulse nur bei Bedarf abgegeben werden, wird die Batterie geschont – potenziell längere Lebensdauer des Implantats.
5. Besonders hilfreich bei schwankenden Symptomen
aTHS eignet sich gut für Personen mit stark variabler Motorik (z. B. wechselnde „On/Off“-Phasen).
Contra (Herausforderungen / Grenzen)
1. Noch keine grossen Langzeitstudien
Die bisherigen Ergebnisse basieren auf kleinen Gruppen. Aussagen über Langzeitsicherheit und Wirkdauer sind noch begrenzt.
2. Technisch komplexer
Das System benötigt Sensoren, die Hirnsignale auslesen, und intelligente Algorithmen — nicht alle bestehenden THS-Implantate können einfach umgerüstet werden.
3. Nicht für alle Patient:innen geeignet
Die individuelle Hirnaktivität muss gut erfassbar sein; bei manchen Betroffenen ist dies schwierig.
4. Erhöhter Aufwand bei der Einstellung
Die Programmierung der adaptiven Parameter ist anspruchsvoller als bei konventioneller THS und erfordert spezialisierte Zentren.
5. Noch keine flächendeckende Verfügbarkeit
aTHS wird derzeit nur in wenigen spezialisierten Kliniken angeboten.
Erstes SMDS-Webinar widmet sich Impulsivität bei Parkinson
Die Swiss Movement Disorders Society (SMDS) lädt ihre Mitglieder zum ersten Webinar der Gesellschaft ein. Die Online-Veranstaltung findet am Dienstag, 2. Dezember 2025, um 17:00 Uhr statt und behandelt das zentrale Thema Impulsivität bei Parkinson-Erkrankten.
Der Vortrag wird von Dr. Ines Debove vom Inselspital Bern gehalten, einer ausgewiesenen Expertin auf diesem Gebiet. Ziel des Webinars ist es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln und den Austausch unter Fachpersonen zu fördern.
SMDS-Präsident Georg Kägi zeigt sich erfreut über den Start der Webinar-Reihe und hofft auf eine zahlreiche Teilnahme der Mitglieder.
