Die adaptive tiefe Hirnstimulation (aDBS) passt die elektrische Stimulation laufend an die aktuelle Gehirnaktivität an. Neue Studien zeigen vielversprechende Ansätze – insbesondere bei Gangstörungen. Für eine abschliessende Beurteilung ist die Datenlage jedoch noch zu begrenzt.
Bei der klassischen tiefen Hirnstimulation (DBS) werden bestimmte Hirnregionen kontinuierlich mit elektrischen Impulsen stimuliert. Die Stimulationsparameter werden individuell eingestellt, bleiben im Alltag jedoch weitgehend konstant. Die adaptive DBS verfolgt einen anderen Ansatz: Der Neurostimulator erfasst charakteristische Signale der Hirnaktivität und passt die Stimulation in Echtzeit an den aktuellen Zustand der betroffenen Person an.
Damit soll die Behandlung stärker auf die wechselnden motorischen Anforderungen und Schwankungen bei Parkinson abgestimmt werden. Erste Untersuchungen zeigen, dass eine solche bedarfsgesteuerte Stimulation motorische Symptome verbessern und gleichzeitig unnötige Stimulation reduzieren kann.
Besonders interessant sind aktuelle Forschungsergebnisse zur **Gangfunktion**. Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte eine adaptive Stimulation, die sich an der jeweiligen Gangphase orientiert. Bei fünf untersuchten Personen mit Parkinson erwies sich das Verfahren als durchführbar und sicher; gleichzeitig wurden weniger Stürze beobachtet als unter kontinuierlicher Stimulation. Eine weitere Studie zeigte, dass aktivitätsabhängige Anpassungen der DBS verschiedene Gangprobleme verbessern können.
Was bedeutet das für Betroffene?
Die adaptive DBS ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in Richtung einer stärker personalisierten Hirnstimulation. Sie könnte künftig insbesondere bei motorischen Schwankungen und bestimmten Gangproblemen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Noch ist jedoch offen, ob adaptive DBS der konventionellen DBS im Alltag tatsächlich überlegen ist.** Eine aktuelle Metaanalyse randomisierter Studien konnte bislang keinen eindeutig klinisch relevanten kurzfristigen motorischen Vorteil nachweisen. Grössere Studien mit längerer Beobachtungszeit sind deshalb notwendig.
Gut zu wissen
Adaptive DBS ist nicht einfach eine „bessere DBS“.** Das Verfahren befindet sich in einer Phase des Übergangs von der Forschung zur klinischen Anwendung. Welche Patientinnen und Patienten besonders profitieren, welche Symptome sich am besten behandeln lassen und wie die Systeme langfristig programmiert werden sollten, wird derzeit weiter untersucht.
Für Menschen mit Parkinson bedeutet dies:Die Entwicklung ist vielversprechend, aber die Wahl einer DBS-Therapie sollte weiterhin individuell und gemeinsam mit einem spezialisierten Behandlungsteam erfolgen.
Quelle: Parkinson Journal, <<Adaptive Hirnstimulation: der mitdenkende Schrittmacher auf dem Prüfstand>>, 18. September 2026