Das europäische Forschungsprojekt TRACE-PD untersucht, warum manche Menschen trotz vergleichbarer Veränderungen im Gehirn weniger Parkinson-Symptome entwickeln als andere – und wie sich die körpereigenen Kompensationsmechanismen besser verstehen lassen.
Bei Parkinson gehen dopaminproduzierende Nervenzellen nach und nach verloren. Dennoch können die ersten motorischen Symptome erst Jahre später auftreten. Das Gehirn verfügt über die Fähigkeit, krankheitsbedingte Veränderungen teilweise auszugleichen. Diese biologische Widerstandsfähigkeit wird als Hirn-Resilienz bezeichnet.
Das europäische Forschungsprojekt TRACE-PD, das im Juni 2025 gestartet ist und bis Mitte 2028 läuft, untersucht diese Ausgleichsmechanismen in der frühen Phase der Parkinson-Krankheit. Unter der Leitung von Prof. Dr. David Pedrosa von der Universität Marburg arbeiten Forschungsteams aus Deutschland, den Niederlanden, Tschechien und Schweden zusammen.
Mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren und der Analyse bestehender Patientendaten wollen die Forschenden herausfinden, wie das Gehirn den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen kompensiert. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung eines Biomarkers auf Basis der Magnetresonanztomografie (MRT), der künftig helfen könnte, die Krankheitsentwicklung besser einzuschätzen.
Frühere Studien liefern Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität, soziale Unterstützung und ein günstiger Umgang mit Stress mit einer höheren Widerstandsfähigkeit verbunden sind. Insbesondere regelmässiges Ausdauertraining könnte die Funktion und Vernetzung bestimmter Hirnregionen unterstützen. Weitere Forschung ist jedoch nötig, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
TRACE-PD ist ein Forschungsprojekt und noch keine neue Behandlungsmethode. Die Ergebnisse sollen langfristig dazu beitragen, die frühen Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und individuelle Behandlungsansätze weiterzuentwickeln. Regelmässige Bewegung und soziale Aktivitäten können die Lebensqualität unterstützen, ersetzen aber keine medikamentöse Therapie.
Quelle: Parkinson Journal, Jürgen Zender: «Resilienz bei Parkinson: Wie das Gehirn sich wehrt – und was TRACE-PD herausfinden will», 9. Oktober 2026.